Leben im UK als Deutscher (Liukad) #8: Running for Charity

Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

Dieses urbritische Thema wollte ich schon sehr lange behandeln und da es mittlerweile persönlich aktuell geworden ist, ergreife ich die Gelegenheit. Doch fangen wir von vorne an.

Wer sich einmal auf die Insel verirrt hat und sich die Läden genauer angesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass es sehr viele sogenannte Charity Shops gibt. Auch in Büchern, Filmen und Serien wird oft auf “Oxfam Shops” hingewiesen. Diese Läden basieren darauf, dass man ihnen Kleidung, Bücher, Krimskrams, und was nicht alles spendet, das sie dann verkaufen. Es sind vor allem Krebs- bzw. Krankheits-Forschungs- Wohltätigkeitsorganisationen, aber auch Organisationen für Obdachlose, christliche Vereine und das besagte Oxfam sind dabei. Und dass Recycling hierzulande erst langsam in Schwung kam, ist (angeblich) auf diese Charity Shops zurückzuführen.

Im gleichen Tätigkeitsbereich gibt es jedes Jahr die Aktionen Children in NeedRed Nose Day (März), wo während eines Telethons ((Doctor Who Fans werden diesen beiden Veranstaltungen kennen, da kleine extra Sketche aufgenommen werden, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen.)) und mit Spezialangeboten in Supermärkten und mehr oder weniger verrückten Aktionen von Schulklassen, Privatpersonen, Bürogemeinschaften und überhaupt dem ganzen Land Geld gesammelt wird. Es ist üblich, dass es einen Kuchenverkauf gibt und die Bereitschaft zu spenden ist sehr weit verbreitet und selbstverständlich. In Deutschland werden jährlich um die 3 Milliarden Euro gespendet, während es hierzulande um die 10 Milliarden Pfund sind. Das ist beachtlich, wenn man die geringere Bevölkerung und den höheren Wert der Währung bedenkt (Quellen: UK, D).

Pudsey Bear and Red Noses

Pudsey Bear and Red Noses

Des Weiteren gibt es sehr viele Aktionen bei denen jemand für eine Organisation Geld sammelt, indem er oder sie etwas Verrücktes oder Schweres tut, wie z.B. ein Marathon laufen. Oder einen 5K (= Fünfkilometerlauf). Denn meistens sind das Menschen, die sowas noch nie gemacht haben und nur wegen eines persönlichen Schicksalsschlages oder für ein Familienmitglied oder Freund das Geld sammeln. Es gibt alleine in Schottland ca. 20’000 registrierte Wohltätigkeitsorganisationen.

Wer britischen Berühmtheiten auf Twitter folgt, wird es öfter gesehen haben, dass Leute um Retweets bitten, die für eine Aktion Geld sammeln. Meist laufen oder radeln sie ein normales Rennen oder es ist ausgefallener und sie machen Skydiving, eine Radtour durch Afrika oder was auch immer. Bei Laufveranstaltungen ist der Großteil der Teilnehmer für einen guten Zweck unterwegs und z.B. das Edinburgh Marathon Festival kooperiert offiziell mit einer Krebs-Organisation.

Und da kommt nun der persönliche Grund ins Spiel. Ich werde am Sonntag den Halbmarathon laufen und habe neulich meine Details überprüft. Wenn man sich in seinen Account einloggt und unverständlicherweise (noch) nicht für eine Organisation läuft, kann man das jederzeit ändern, was besonders gerne gesehen wird, da man ja selber das Startgeld bezahlt hat. Ich habe dann spontan beschlossen, dass ich (mindestens) 50 Pfund für Amnesty International sammeln werde. Das ist denkbar einfach, denn man sucht sich einfach eine Organisation aus, erstellt eine justgiving-Seite und dann geht das Betteln los!

Sponsore mich und spende für Amnesty International!

Sponsore mich und spende für Amnesty International!

Da ich das nun erwähnt habe und bestimmt ganz viele von Euch Amnesty International unterstützen wollen, dürft/könnt/sollt Ihr das auch tun! Es kann in praktisch jeder erdenklichen Währung gespendet werden. Per SMS funktioniert aus Deutschland natürlich nicht so gut, aber Kreditkarten und Paypal (funktioniert nur, wenn man GBP als Währung auswählt…) werden auch unterstützt. Bitte hier entlang!

Nach diesem schamlosen Bettelversuch noch ein dämpferischer Abschluss. Der Nachteil bei verrückten Veranstaltungen ist der Druck, dass man erst teilnehmen darf, wenn man garantieren kann, eine bestimmte Summe zu sammeln. Bei The Ultimate Abseil z.B. darf man sich von der Forth Bridge stürzen, muss aber 150 Pfund zusammenbetteln. Das ist natürlich legitim, weil es ein ungewöhnliches Erlebnis ist, aber ich finde ein Geschmäckle hat es schon. Vielleicht bin ich aber einfach nicht britisch genug.

1 Comment

  1. Beim Lesen deiner Gastbeiträge muss ich oft schmunzeln – ich habe auch mehrere Jahre in Schottland gelebt und erkenne viele deiner beschriebenen Situationen wieder, bzw. könnte dazu meine ganz eigene Geschichte erzählen ;-)

    Zum Thema charity runs – ich bin damals den Bupa Great Edinburgh Run (10K) gelaufen für Alzheimer Scotland, JustGiving page hatte ich auch :D

    Freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag!

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